Was passiert mit dem Arbeitszimmer bei Verkauf der Immobilie?

Der Gewinn aus dem Verkauf von selbstgenutztem Wohneigentum ist auch dann in vollem Umfang steuerfrei, wenn zuvor Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt wurden. Dies hat das Finanzgerichts Köln entschieden.

Im Streitfall hatten die Kläger innerhalb der 10-jährigen Spekulationsfrist ihre selbst bewohnte Eigentumswohnung veräußert. In den Vorjahren hatten sie allerdings den Abzug von Werbungskosten für ein häusliches Arbeitszimmer i. H. v. 1.250 Euro geltend gemacht. Das Finanzamt unterwarf deshalb nun den auf das Arbeitszimmer entfallenden Veräußerungsgewinn von gut 35.000 Euro der Besteuerung, da insoweit keine steuerfreie eigene Wohnnutzung im Sinne von § 23 Absatz 1 Nr. 1 Satz 3 EStG vorliege.

Arbeitszimmer ist kein selbstständiges Wirtschaftsgut

Das Finanzgericht Köln widersprach dem Finanzamt mit Urteil vom 20.03.2018 (Az. 8 K 1160/15): Ein häusliches Arbeitszimmer führt nicht zu einer anteiligen Besteuerung des Veräußerungsgewinns. Das Arbeitszimmer ist nämlich in den privaten Wohnbereich integriert und stellt damit kein selbstständiges Wirtschaftsgut dar. Eine Besteuerung stünde auch im Wertungswiderspruch zum generellen Abzugsverbot von Kosten für häusliche Arbeitszimmer in § 4 Abs. 5 Nr. 6b Satz 1 EStG, so die Richter.

Hinweis: Wird das Eigenheim verkauft, kann das häusliche Arbeitszimmer schnell zur Steuerfalle werden. Die Finanzämter prüfen und besteuern die Gewinne aus Immobilienverkäufen in der Regel und auch das vorliegende Urteil muss letztlich noch vom BFH bestätigt werden. Immerhin gibt es Strategien zur Vermeidung der Besteuerung – ist beispielsweise absehbar, dass Sie Ihre Immobilie innerhalb der nächsten drei Jahre im Rahmen der zehnjährigen Spekulationsfrist verkaufen werden, sollten Sie keinen Werbungskostenabzug mehr für ein häusliches Arbeitszimmer mehr beantragen. Gerne beraten wir Sie hierzu.

(FG Köln / RES JURA Redaktionsbüro)

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