Kosten für Professorentitel als Betriebsausgabe?

Ein Zahnarzt hatte einen Professorentitel an einer ungarischen Universität erworben und wollte die seine Ausgaben hierfür als Betriebsausgabe absetzen. Das Finanzgericht Münster widersprach und erklärte, wann ein zulässiger Betriebsausgabenabzug vorliegt.

Der Kläger war ein selbstständiger Zahnarzt, der Beiträge in Fachzeitschriften veröffentlicht, Vorträge auf Fachtagungen hält und Mitglied einer zahnärztlichen Weiterbildungsgesellschaft ist. Schließlich ließ er sich zum Gastprofessor an der humanmedizinischen Fakultät einer ungarischen Universität ernennen. Dieser Ernennung lag ein Wissenschaftsvertrag zu Grunde, wonach der Zahnarzt ein Honorar in Höhe von knapp 50.000 € zu zahlen hatte.

Finanzamt lehnt Betriebsausgabenabzug ab

Die Ausgaben für seinen Titel machte der Kläger als Betriebsausgaben geltend und begründete dies mit dem werbenden Charakter des Professorentitels und der Erhöhung seiner Reputation als Zahnarzt. Das Finanzamt lehnte den Betriebsausgabenabzug jedoch ab, weil das Honorar der ohne Einkünfteerzielungsabsicht betriebenen Tätigkeit des Klägers in Ungarn – nämlich als unbezahlter Gastprofessor – zuzuordnen sei.

Kein Erfolg vor Gericht

Das Finanzgericht Münster wies die Klage mit Urteil vom 13.10.2017 (Az. 4 K 1891/14 F) ab. Die Aufwendungen des Klägers stünden zwar wegen der angestrebten Außenwirkung auch in einem betrieblichen Veranlassungszusammenhang. Die Bezeichnung als Professor werde in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen auch als Ausdruck herausragender fachlicher Kompetenz verstanden.

Gesellschaftliches Prestige ist ausschlaggebend

Allerdings berühre die Erlangung eines Professorentitels in nicht unerheblichem Maße die private Lebenssphäre. Der Kläger habe – anders als bei einer Habilitation – nicht in erster Linie Wissen, sondern allein die Titelbezeichnung als solche erwerben wollen, die zudem keine Voraussetzung für die Erzielung zahnärztlicher Einkünfte sei. Dem mit dem Titel einhergehenden gesellschaftlichen Prestige komme daher ein höheres Gewicht zu. Mangels objektivierbarer Kriterien kam der Betriebsausgabenabzug nicht in Betracht.

Hinweis: Mit einem Doktor- oder Professorentitel kann durchaus das Geschäft angekurbelt werden. Eine Weiterbildung zur Promotion oder Habilitation ist natürlich zeitaufwendig und teuer – kann aber steuerlich geltend gemacht werden: bei Angestellten als Werbungskosten und bei Unternehmern als Betriebsausgaben. Bei gekauften Titeln wird die Finanzverwaltung jedoch hellhörig – der Erwerbszusammenhang wird hier verneint und die Aufwendungen sind reines Privatvergnügen.

(FG Münster / RES JURA Redaktionsbüro)

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