Fallstricke bei der Grundstücksschenkung

21.08.2020

Das Finanzgericht Düsseldorf hat sich mit der Bewertungsmethode bei Grundstücksschenkungen befasst. Der Kaufpreis eines im Wege einer mittelbaren Grundstücksschenkung zugewandten Grundstücks kann demnach Vergleichswert für dieses Grundstück i.S.d. § 183 Abs. 1 Satz 1 BewG sein.

Die Beteiligten stritten über die Bewertungsmethode bei einer mittelbaren Grundstücksschenkung. Die Tochter des Klägers erwarb ein bebautes Grundstück zum Preis von 920.000 Euro. Den für die Zahlung des Kaufpreises erforderlichen Geldbetrag hatte der Kläger ihr zuvor geschenkt. Zum Zwecke der Festsetzung der Schenkungsteuer ermittelte das Finanzamt einen Grundbesitzwert für das von der Tochter erworbene Grundstück. Es stellte einen Wert i.H.v. 920.000 Euro fest. Dabei legte es im Vergleichswertverfahren den von der Tochter gezahlten Kaufpreis i.H.v. 920.000 Euro zugrunde.

Streit um das Vergleichswertverfahren

Der Kläger wehrte sich gegen den aus seiner Sicht zu hohen Wertansatz. Er begehrte die Bewertung des Grundstücks mit dem niedrigeren Sachwert. Er vertrat die Ansicht, dass es keine gesetzliche Regelung gebe, wonach der Kaufpreis des zu bewertenden Grundstücks selbst der Bewertungsmaßstab sei. Das Vergleichswertverfahren sei nicht anwendbar, weil das Gesetz eine Mehrzahl von vergleichbaren Grundstücken verlange. Das Finanzamt habe aber nur den Kaufpreis eines einzigen Grundstücks herangezogen.

Kein Erfolg vor dem Finanzgericht

Das Finanzgericht Düsseldorf hat die Klage mit Gerichtsbescheid vom 26.05.2020 (11 K 3447/19 BG) abgewiesen und entschieden, dass das Finanzamt zu Recht das Grundstück im Wege des Vergleichswertverfahrens mit dem von der Beschenkten gezahlten Kaufpreis bewertet hat.

Ein einzelner Verkaufspreis kann genügen

Die einschlägige Vorschrift (§ 183 BewG) ist nach Ansicht der Richter dahingehend zu verstehen, dass ein einzelner Verkaufspreis als Vergleichswert ausreicht, wenn er das zu bewertende Grundstück selbst betrifft und zeitnah im gewöhnlichen Geschäftsverkehr erzielt wurde. Es sei kein Grund ersichtlich, warum der tatsächliche Wert eines Grundstücks nur zugunsten der Steuerpflichtigen im Wege der Öffnungsklausel zu berücksichtigen sein sollte, aber nicht im Rahmen des Vergleichswertverfahrens.

Der Wortlaut des Gesetzes stehe dieser Gesetzesauslegung nicht entgegen. Zwar verlange die gesetzliche Regelung die Heranziehung von „Grundstücken“. Die Verwendung eines Begriffs in der Mehrzahl bedeute aber nicht zwingend, dass tatsächlich mehrere Gegenstände der genannten Art vorliegen müssten. Die Verwendung des Plural könne auch der Verwendung des Wortes als Oberbegriff dienen.

Die Revision wurde eingelegt und ist beim Bundesfinanzhof unter dem Az. II R 14/20 anhängig.

Hinweis: Mit der Schenkung eines Grundstücks kann man in vielen Fällen Steuern sparen und Vermögensübergänge vorausschauend gestalten. Für ein Grundstück müssen die Erben keine Steuer auf die Erbschaft zahlen. Natürlich fällt in diesem Fall Schenkungsteuer für das Grundstück an – allerdings liegen hier die Freibeträge bei 400.000 Euro pro Kind und können alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden. Gerne beraten wir Sie.

(FG Düsseldorf / RES JURA Redaktionsbüro)