Arbeitszeugnisse in agilen Projekt-Teams

05.03.2020

Mitarbeiter können bei Ausscheiden von ihrem Arbeitgeber ein qualifiziertes Zeugnis verlangen – natürlich auch, wenn sie in agilen Projekt-Teams gearbeitet haben. Einen bestimmten Zeugniswortlaut einschließlich einer bestimmten Bewertung können sie jedoch nicht bereits deshalb verlangen, weil ein anderes Team-Mitglied ein entsprechendes Zeugnis bekam.

In einem Streitfall vor dem Arbeitsgericht Lübeck hatte ein Arbeitnehmer auf die Erteilung eines Arbeitszeugnisses geklagt, das im Wortlaut dem eines Kollegen entsprechen sollte. Er war bei der Beklagten als Testingenieur im Bereich Product Qualification nach der sog. Scrum-Methode beschäftigt. Dabei handelt es sich um eine Form der agilen Arbeit, die weitgehend auf fachliche Weisungen durch den Arbeitgeber an die Gruppenmitglieder verzichtet. Stattdessen findet eine Selbstregulierung und -kontrolle der Arbeitsgruppe statt.

Arbeitgeber stellt unterschiedliche Zeugnisse aus

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses erteilte die Beklagte dem Kläger und einem weiteren Mitglied des Projekt-Teams ein Arbeitszeugnis. Der Kläger sah sich im Vergleich zu diesem Mitarbeiter schlechter bewertet und verlangte die Angleichung seines Zeugnisses. Zur Begründung führte er aus, er habe bereits deshalb Anspruch auf ein gleichlautendes Zeugnis, da im Scrum-Team die individuelle Arbeitsleistung aufgrund der Typik dieser Methode nur eine untergeordnete Rolle gespielt habe und Team-Ziele vorrangig gewesen seien. Die Leistungen seien hiernach mindestens ebenso zu bewerten wie diejenigen des Kollegen.

Kein Anspruch auf identische Zeugnisse

Das Arbeitsgericht Lübeck hat die Klage am 22.01.2020 (Az. 4 Ca 2222/19) abgewiesen. Auch in agilen Arbeitsumgebungen unter Einsatz der sog. Scrum-Methode ist die individuelle Leistung messbar und für die Tätigkeitsbeschreibung wie auch die Bewertung der Leistung eines Zeugnisses allein maßgeblich. Der Einsatz bestimmter moderner Arbeitsmethoden steht dem nicht entgegen, selbst wenn die verwendete Methode das Gruppenergebnis in den Vordergrund stellt.

Die Scrum-Methode verhindert schon im Grundsatz keine individuelle Leistungsbewertung. Da der Kläger nach Auffassung des Gerichts im Übrigen nicht substanziiert zu den aus seiner Sicht gegebenen besseren Leistungen vorgetragen hatte, hatte die Klage keinen Erfolg. Darüber hinaus kann es sogar widersprüchlich sein, wenn sich der Kläger einerseits auf identisch ausgeübte und in gleicher Weise zu bewertende Tätigkeiten innerhalb der agilen Arbeitsgruppe bezieht und andererseits verlangt, bestimmte in besonderer Weise bewältigte Arbeitsaufgaben als herausgehoben zu kennzeichnen.

Hinweis: Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Wichtig ist, dass Arbeitgeber wissen, welche formalen Richtlinien eingehalten werden müssen, damit kein Streit entsteht und man gar nicht erst vor Gericht ziehen muss. Gerne beraten wir Sie hierzu!

(LAG Schleswig-Holstein / RES JURA Redaktionsbüro)