Vorsicht bei Vorbehaltsnießbrauch bei Betriebsübertragung

17.01.2020

Bei der lebzeitigen Übertragung eines Unternehmens auf den Nachfolger behalten sich Unternehmer gerne einen Nießbrauch vor. Doch diese Gestaltungsmöglichkeit birgt auch Gefahren, wie das nachfolgende Urteil des Finanzgerichts Münster zeigt.

Im Streitfall hatte die Mutter des Klägers einen von ihr geführten Freizeitpark zum 31.12.1995 an den Kläger übertragen. Sie behielt sich aber einen lebenslänglichen Nießbrauch zurück. Ab dem 01.01.1996 führte sie dementsprechend den Betrieb fort. Steuerliche Folgerungen zogen die Vertragsparteien aus dieser Übertragung nicht.

Finanzamt nimmt Wertaufholungen vor

Zum 31.12.2002 verzichtete die Mutter auf ihr Nießbrauchsrecht. Der Kläger führte ab 2003 die Buchwerte fort. Im Betriebsvermögen der Mutter waren ursprünglich Forderungen gegen eine GmbH enthalten, deren Alleingesellschafter und Geschäftsführer der Kläger ist. Diese hatte die Mutter im Jahr 1999 gewinnmindernd abgeschrieben. Nachdem die GmbH im Jahr 2004 wieder ein positives Kapital ausgewiesen hatte, gelangte das Finanzamt zu der Auffassung, dass hinsichtlich der Forderungen in den Streitjahren 2004 bis 2008 Wertaufholungen vorzunehmen seien. Hiergegen wandte der Kläger ein, dass diese bereits durch seine Mutter zum 31.12.2002 hätte erfolgen müssen.

Erfolg vor dem Finanzgericht

Die Klage vor dem Finanzgericht Münster hatte in vollem Umfang Erfolg (Urteil vom 20.09.2019, Az. 11 K 4132/15 E,G). Eine Wertaufholung sei – so der 11. Senat – nicht vorzunehmen, da die Forderungen zu keinem Zeitpunkt Betriebsvermögen des Klägers geworden seien.

Zum 01.01.1996 hätten die Voraussetzungen für eine Betriebsübertragung im Ganzen nach der damals geltenden Regelung des § 7 Abs. 1 Satz 1 EStDV nicht vorgelegen. Vielmehr seien die Einzelwirtschaftsgüter und damit auch die Forderungen unentgeltlich in das Privatvermögen des Klägers überführt worden.

Betriebsinhaberin führte ihre gewerbliche Tätigkeit fort

Die Mutter habe zwar zu diesem Zeitpunkt ihren Gewerbebetrieb auf den Kläger übertragen, denn allein durch die Zurückbehaltung eines Vorbehaltsnießbrauchs sei sie nicht wirtschaftliche Eigentümerin des Betriebs geblieben. Hierzu hätte es Vereinbarungen dahingehend bedurft, dass sie die wesentlichen Betriebsgrundlagen, die vorliegend insbesondere aus Grundstücken bestanden, auf eigene Rechnung hätte veräußern oder belasten dürfen. Da die Mutter allerdings den Gewerbebetrieb fortgeführt habe, habe die Möglichkeit einer Buchwertfortführung nicht bestanden. Voraussetzung hierfür sei nach der BFH-Rechtsprechung, dass der bisherige Betriebsinhaber seine gewerbliche Tätigkeit aufgebe.

Verzicht auf das Nießbrauchsrecht als privater Vorgang

Zum 01.01.2003 seien die Forderungen nicht in das Betriebsvermögen des Klägers übergegangen. Sie seien bei ihm kein notwendiges Betriebsvermögen, da sie nicht geeignet gewesen seien, die betriebliche Betätigung unmittelbar und entscheidend zu fördern. Trotz Ausweises in der Eröffnungsbilanz seien sie auch nicht dem gewillkürten Betriebsvermögen zuzuordnen, da dieser Ausweis lediglich auf der rechtsirrigen Annahme des Klägers beruht habe, dass die Voraussetzungen einer Buchwertübertragung nach § 6 Abs. 3 EStG vorgelegen hätten. Soweit die Forderungen ab 1996 entstanden waren, seien sie auch ab 2003 noch der Mutter zuzurechnen gewesen, denn der Verzicht auf das Nießbrauchsrecht stelle lediglich einen Vorgang auf der privaten Vermögensebene dar und begründe keinen Übertragungsvorgang hinsichtlich dieser Forderungen.

Hinweis: Die Übertragung eines Gewerbebetriebs unter Zurückbehaltung eines Vorbehaltsnießbrauchs führt für sich genommen nicht zu einer unentgeltlichen Betriebsübertragung im Ganzen. Dies hat das Finanzgericht Münster jetzt klargestellt. Die Praxis wie auch dieser Fall zeigen, dass Nießbrauchsregelungen zumeist erst viele Jahre nach der erstmaligen Umsetzung problematisch werden und das Finanzamt Ärger macht. Gerne beraten wir Sie zu solchen Gestaltungen im Vorfeld, damit Ihr Nachfolger nicht mit solchen steuerlichen Konsequenzen konfrontiert wird.

(FG Münster / RES JURA Redaktionsbüro)