Telearbeit: Das Weisungsrecht und seine Grenzen

28.12.2018

Arbeitgeber haben zwar ein weitgehendes arbeitsvertragliches Weisungsrecht, die Zuweisung eines Telearbeitsplatzes kann jedoch dennoch unzulässig sein. Lehnt der Arbeitnehmer die Telearbeit ab, liegt deshalb keine beharrliche Arbeitsverweigerung vor, entschied jüngst das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg.

In dem besagten Streitfall vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatte ein Arbeitgeber einen Ingenieur beschäftigt; Regelungen zu einer Änderung des Arbeitsorts enthielt der Arbeitsvertrag nicht. Der Arbeitgeber bot dem Arbeitnehmer nach einer Betriebsschließung an, seine Tätigkeit im Home-Office zu verrichten. Nachdem der Arbeitnehmer hierzu nicht bereit war, kündigte der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis aus wichtigem Grund wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung.

Wie weit geht das Weisungsrecht?

Das Landesarbeitsgericht hat die Kündigung mit Urteil vom 10.10.2018 (Az. 17 Sa 562/18) für unwirksam erklärt. Der Arbeitnehmer war arbeitsvertraglich nicht verpflichtet, die ihm angebotene Telearbeit zu verrichten. Der Arbeitgeber konnte dem Arbeitnehmer diese Tätigkeit nicht aufgrund seines arbeitsvertraglichen Weisungsrechts (§ 106 GewO) einseitig zuweisen. Denn die Umstände der Telearbeit unterscheiden sich in erheblicher Weise von einer Tätigkeit, die in einer Betriebsstätte zu verrichten sind. Dass Arbeitnehmer z. B. zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf an einer Telearbeit interessiert sein können, führt nicht zu einer diesbezüglichen Erweiterung des Weisungsrechts des Arbeitgebers.

Hinweis: Das Arbeiten von zuhause aus wird mittlerweile in vielen Unternehmen angeboten. Zunehmend liegt dies auch im Interesse von Arbeitnehmern – erhalten sie dadurch mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In Arbeitsverträgen wird die Telearbeit zumeist nicht geregelt, weshalb in der Praxis zahlreiche Probleme aufkommen: Darf in einer privaten Mietwohnung überhaupt gearbeitet werden? Wie sieht es mit Online-Zugangsrechten und Datenschutz aus? Wie wird die Arbeitszeit kontrolliert? Wer haftet wofür? Sie erkennen, dass etliche wichtige Besonderheiten zu beachten sind. Gerne beraten wir Sie umfassend.

(LAG Berlin-Brandenburg / RES JURA Redaktionsbüro)