Doppelte Haushaltsführung mit der ganzen Familie?

02.11.2018

Eine doppelte Haushaltsführung kann auch dann anzuerkennen sein, wenn Ehegatten mit ihren Kindern zusammen am Beschäftigungsort wohnen und zusammen zum Hauptwohnsitz pendeln. Dies hat das Finanzgericht Münster in einem aktuellen Urteil erklärt.

Im Streitfall war ein Ehepaar in Westfalen berufstätig und lebte dort mit der kleinen Tochter in einer angemieteten 3-Zimmer-Dachgeschosswohnung. Im mehr als 300 km entfernten Heimatdorf ist die Ehefrau Miteigentümerin eines Hauses mit Grundstück. Das Haus wird von der Familie sowie der Mutter der Frau bewohnt. Die Haus- und Zahnärzte des Paares und der Tochter befinden sich in der Umgebung des Heimatdorfes und der Mann ist dort Mitglied im Angelverein. Ferner trug das Paar laufende Kosten und Instandhaltungsmaßnahmen am Haus.

Finanzamt erkennt Kosten nicht an

Das Finanzamt gewährte den Werbungskostenabzug für die Kosten für wöchentliche Fahrten in das Heimatdorf und die Unterkunft am Beschäftigungsort nicht, da nach der Lebenserfahrung davon auszugehen sei, dass der Lebensmittelpunkt inzwischen am Beschäftigungsort liege und die Kläger in ihrem Heimatdorf auch keinen eigenen Hausstand unterhielten.

Erfolg vor dem Finanzgericht

Das Finanzgericht Münster gab der hiergegen erhobenen Klage statt (Urteil vom 26.9.2018; Az. 7 K 3215/16 E). Die Kläger haben in ihrem Heimatdorf einen eigenen Hausstand unterhalten und sind dort nicht als Gäste der Mutter anzusehen. Dies ergebe sich aus dem Alter der Kläger und den von ihnen übernommenen laufenden Kosten und den durchgeführten Instandhaltungsmaßnahmen. Die Kläger hätten auch ihren Lebensmittelpunkt im Heimatdorf beibehalten, weil sich dort deren gesamtes Privatleben abspiele und sie sich sogar getrennt voneinander im Heimatdorf aufhielten. Auch der Vergleich der Wohnsituationen spreche nicht gegen die Annahme eines Lebensmittelpunkts, denn durch die Gartennutzungsmöglichkeit weise das Grundstück im Heimatdorf eine höhere Wohnqualität auf als die Dachgeschosswohnung am Beschäftigungsort.

Hinweis: Wer aus beruflichen Gründen zwei Haushalte führt, kann die Aufwendungen als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Natürlich prüft das Finanzamt genau, ob die erforderlichen Voraussetzungen vorliegen. Gerne beraten wir Sie auch in diesem Fall.

(FG Münster / RES JURA Redaktionsbüro)