Aktienveräußerung: Wie wird der Verlust steuerlich berücksichtigt?

04.10.2018

Wer seine Aktien verkauft und damit einen Gewinn erzielt, muss diesen Gewinn versteuern. Aber was geschieht steuerlich mit einem Verlust? Der Bundesfinanzhof hat sich mit dieser Frage beschäftigt und sich in seinem Urteil gegen die Auffassung der Finanzverwaltung gestellt.

Im Streitfall hatte der Kläger in den Jahren 2009 und 2010 Aktien zum Preis von 5.800 € erworben und diese im Jahr 2013 zu einem Gesamtverkaufspreis von 14 € an eine Sparkasse wieder veräußert, die Transaktionskosten in dieser Höhe einbehielt. In seiner Einkommensteuererklärung 2013 machte der Kläger den Verlust in Höhe von 5.800 € bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend und stellte u.a. den Antrag auf Überprüfung des Steuereinbehalts gemäß § 32d Abs. 4 EStG. Das Finanzamt berücksichtigte die Verluste nicht.

BFH widerspricht der Finanzverwaltung

Dem folgte der BFH im Urteil vom 12.06.2018 (Az. VIII R 32/16) nicht. Er entschied, dass jede entgeltliche Übertragung des – zumindest wirtschaftlichen – Eigentums auf einen Dritten eine Veräußerung i.S. des § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG darstellt. Weitere Tatbestandsmerkmale nennt das Gesetz nicht. Die Erfüllung des Tatbestands der Veräußerung ist entgegen der Sichtweise der Finanzverwaltung  (BMF-Schreiben vom 18.01.2016 – IV C 1-S 2252/08/10004, BStBl I 2016, 85) weder von der Höhe der Gegenleistung noch von der Höhe der anfallenden Veräußerungskosten abhängig.

Gestaltungsmöglichkeiten sind erlaubt

Auch einen Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten i.S. des § 42 der Abgabenordnung verneinte der BFH. Der Kläger hat nicht gegen eine vom Gesetzgeber vorgegebene Wertung verstoßen, sondern lediglich von einer ihm durch das Gesetz eingeräumten Möglichkeit Gebrauch gemacht. Es steht grundsätzlich im Belieben des Steuerpflichtigen, ob, wann und mit welchem erzielbaren Ertrag er Wertpapiere erwirbt und wieder veräußert.

Steuerbescheinigung der Bank notwendig?

Dass der Kläger keine Steuerbescheinigung der Sparkasse über den entstandenen Verlust vorlegen konnte (vgl. § 20 Abs. 6 Satz 6 EStG), stand der Verlustverrechnung nach der bereits gefestigten Rechtsprechung des Senats nicht entgegen. Die Bescheinigung ist entbehrlich, wenn – wie vorliegend – keine Gefahr der Doppelberücksichtigung des Verlusts besteht.

Hinweis: Das Urteil stellt klar, dass Aktienbesitzer frei entscheiden können, wann sie ihre Aktien und mit welchem erzielbaren Ertrag veräußern. Es zeigt sich, dass auch ein Totalverlust als Verlust in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden kann. Sie haben Fragen im Zusammenhang mit der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge? Gerne beraten wir Sie!

(BFH / RES JURA Redaktionsbüro)