Eigenmächtig in den Urlaub – ist eine Kündigung gerechtfertigt?

20.07.2018

Eine Arbeitnehmerin hatte spontan einen Urlaub geschenkt bekommen und erst nach Abflug den Arbeitgeber darüber informiert. Daraufhin erhielt sie die Kündigung. Die eigenmächtige Inanspruchnahme von Urlaub ist ein Kündigungsgrund, der sogar eine fristlose Kündigung rechtfertigt, bestätigte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf.

Die Klägerin war seit drei Jahren als Junior Business Excellence beschäftigt. Berufsbegleitend absolvierte sie ein Masterstudium, das sie erfolgreich abschloss. Im Hinblick auf die Prüfung hatte die Klägerin für den Donnerstag und Freitag genehmigten Urlaub. Am Montag darauf erschien die Klägerin nicht im Betrieb. Der späteste Dienstbeginn im Rahmen der Gleitzeit war 10.00 Uhr.

E-Mail nach dem Urlaubsantritt

Gegen 12 Uhr schickte sie eine E-Mail mit dem Betreff „Spontan-Urlaub“ an ihren Vorgesetzten. Sie teilte mit, dass sie wegen ihrer bestandenen Prüfung von ihrem Vater mit einem Aufenthalt auf Mallorca überrascht worden sei und in der Euphorie und Eile keine Möglichkeit gehabt hätte, ihre Abwesenheit an ihrem Rechner zu vermerken. Sie werde die ganze Woche abwesend sein und bat um eine kurze Rückmeldung. Zugleich entschuldigte sie sich für die „Überrumpelung“.

Arbeitgeber schickt Kündigung

Um 17:02 Uhr antwortete der Vorgesetzte per E-Mail, dass die Anwesenheit der Klägerin aus dringenden betrieblichen Gründen erforderlich sei. Er bot ihr an, Freitag sowie Montag und Dienstag der nächsten Woche frei zu nehmen. Am Dienstag antwortete die Klägerin per E-Mail, dass sie sich bereits seit dem Wochenende auf Mallorca befinde und keine Möglichkeit bestünde, ins Büro zu kommen, was sie auch nicht tat. Nachdem die Klägerin wie angekündigt nicht im Büro erschien, kündigte man ihr nach Anhörung des Betriebsrats fristgerecht.

Kündigung war rechtens

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf bestätigte im Urteil vom 10.07.2018 (Az. 8 Sa 87/18) die Kündigung, da die eigenmächtige Inanspruchnahme von Urlaub ein Kündigungsgrund sei, der an sich sogar eine fristlose Kündigung rechtfertige. Hier liege definitiv ein Kündigungsgrund vor. Spätestens ab dem Dienstag habe die Klägerin ernsthaft zu erkennen gegeben, dass sie an dem eigenmächtig genommenen Urlaub festhalte und nicht zur Arbeit kommen werde. Damit habe sie die falschen Prioritäten gesetzt und ihre vertragliche Pflicht zur Arbeit beharrlich verletzt.

Zeugnis und Abfindung

Auf der Basis der Verhandlung haben die Parteien sich auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum Kündigungsdatum, d. h. dem 31.08.2017, verständigt. Die Beklagte erteilte der Klägerin ein Zeugnis und zahlte eine Abfindung von 4.000 Euro, was einem knappen Gehalt der Klägerin entspricht.

Hinweis: Arbeitnehmer haben kein Selbstbeurlaubungsrecht und auch die Urlaubsüberschreitung kann zu einer rechtmäßigen Kündigung führen. Einer vorherigen Abmahnung hatte es im Urteilsfall nicht bedurft, weil die Klägerin bereits klar geäußert hatte, dass sie der Arbeit fernbleibt. Eine Abmahnung vor Ausspruch der Kündigung ist dann ebenfalls nicht erforderlich, wenn der Arbeitgeber den Urlaubsantrag bereits im Vorfeld ausdrücklich abgelehnt hatte, wenn Konsequenzen angedroht wurden und wenn seitens des Arbeitgebers eine Hinnahme der Eigenmacht nicht zu erwarten ist. Gerne beraten wir Sie im Einzelfall!

(LAG Düsseldorf / RES JURA Redaktionsbüro)