Neues Urteil zur Entfernungspauschale

Die Entfernungspauschale für Fahrten zum Beschäftigungsort ist auch dann nur einmal zu gewähren, wenn die Rückfahrt nicht am selben Tag vorgenommen wird wie die Hinfahrt. Dies hat das Finanzgericht Münster jetzt klargestellt.

Im Streitfall hatte ein Flugbegleiter, der häufig mehrtägige Einsätze hatte, den Ansatz sämtlicher Fahrtkosten zu seinem Beschäftigungsort nach Dienstreisegrundsätzen beantragt. Das Finanzamt berücksichtigte jedoch lediglich die Entfernungspauschale, wobei es diese für diejenigen Arbeitseinsätze, bei denen Hin- und Rückfahrt auf unterschiedliche Tage fielen, jeweils nur einmal gewährte.

Kein Erfolg vor dem Finanzgericht

Das Finanzgericht Münster wies die Klage des Flugbegleiters mit Urteil vom 14.07.2017 (Az. 6 K 3009/15 E) ab. Zunächst könne der Kläger nur die Entfernungspauschale beanspruchen, weil sein Beschäftigungsort als erste Tätigkeitsstätte anzusehen sei. Dies ergebe sich daraus, dass er sich für den typischen Arbeitseinsatz immer im Gebäude seines Arbeitgebers an dem im Arbeitsvertrag genannten Beschäftigungsort habe einfinden müssen. Dort hätten sich auch die Briefing-Räume und das Postfach des Klägers befunden. Von einem anderen Ort aus habe er niemals seine Einsätze begonnen.

Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer

Die Entfernungspauschale sei lediglich einmal pro Hin- und Rückfahrt anzusetzen. Die Pauschale sei für jeden Tag zu gewähren, an dem der Arbeitnehmer seine erste Tätigkeitsstätte von seiner Wohnung aus aufsuche. Für die Rückfahrt an einem anderen Tag sei kein weiterer Werbungskostenabzug vorgesehen. Diese Auslegung führe auch zu einer sachgerechten Abbildung der wirtschaftlichen Belastung und zu einer Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer. Die Gegenauffassungen, wonach die Entfernungspauschale nur bei einem arbeitstäglichen Hin- und Rückweg in Betracht komme bzw. im Falle lediglich einer kalendertäglichen Hin- oder Rückfahrt jeweils nur die hälftige Entfernungspauschale anzusetzen sei, fänden weder im Gesetz noch in den Gesetzesmaterialien eine Stütze.

Hinweis: Die Pendlerpauschale gibt es laut Finanzgericht Münster auch dann nur einmal, wenn Hinfahrt zum und Rückfahrt vom Beschäftigungsort an unterschiedlichen Tagen erfolgen. Gegen das Urteil ist allerdings schon eine Revision beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen VI R 42/17 anhängig. Gerne beraten wir Sie in Zweifelsfragen.

(FG Münster / RES JURA Redaktionsbüro)

Aktuelles

11. Okt 2017 Mindestlohn gilt auch an Feiertagen und bei Nachtarbeit Die Höhe der Entgeltfortzahlung an Feiertagen bestimmt sich – soweit kein höherer tariflicher oder vertraglicher Vergütungsanspruch besteht – nach § 2 EFZG i. V. m. § 1 MiLoG. Sieht ein Tarifvertrag einen Nachtarbeitszuschlag vor, der auf den tatsächlichen Stundenverdienst zu zahlen ist, ist auch dieser mindestens aus dem gesetzlichen Mindestlohn zu berechnen. mehr

05. Okt 2017 Frühstück für die Mitarbeiter und seine steuerlichen Konsequenzen Das Finanzgericht Münster hat sich in einem aktuellen Streitfall mit der Frage befasst, ob trockene Brötchen in Kombination mit Heißgetränken ein lohnsteuerpflichtiger Sachbezug in Form eines Frühstücks sind. mehr

29. Sep 2017 Neues Urteil zur Entfernungspauschale Die Entfernungspauschale für Fahrten zum Beschäftigungsort ist auch dann nur einmal zu gewähren, wenn die Rückfahrt nicht am selben Tag vorgenommen wird wie die Hinfahrt. Dies hat das Finanzgericht Münster jetzt klargestellt. mehr

Kontakt

Zentrale: +49 911/274 23 23 - 0 E-Mail: infoNo spam, please@iovos.de Standorte: Nürnberg, München, Frankfurt, Regensburg Ansprechpartner: Rechtsberatung, Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung